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Vom Spatz zum Phönix

Noch im November 2022 wurde der 40. Geburtstag des Spielmannszuges gefeiert. Einst war es ein reiner Mädchenklangkörper der Stadt. Daraus wurde dann der Städtische Spielmannszug. Seit den 1990er Jahren sind es die Cottbuser Musikspatzen, die ein eingetragener Verein sind.

Auflösung verhindert

Vier Wochen nach der Jubelfeier im letzten Jahr hat der Vorstand das Handtuch geworfen. Der Verein sollte aufgelöst werden, die Mitgliederzahl schrumpfte auf zwölf Aktive. Aus den verbliebenen Reihen wehrte sich Widerstand. „Wir wollten den Verein, der uns so viel Spaß machte, nicht sterben lassen. Deshalb haben ich und Anja Gleichgesinnte gesammelt. Ich habe mich entschlossen, jede Woche für die Probe extra aus Berlin nach Cottbus zu kommen“, erinnert sich Markus Schuster zurück. Die beiden jungen Leute haben ehemalige Mitglieder aktiviert, Freunde und Bekannte aus Gruppen umliegender Orte, die ebenfalls nicht mehr existieren, akquiriert und neue Mitglieder geworben. So wie Silke Hallmann. Die 51-jährige stammt aus Cottbus- Sielow. Sie spielt die Lyra: „Ich habe davon gehört, dass die Musikspatzen Mitglieder suchen. Meine Kinder sind jetzt groß und ich habe Zeit. Da ist ein Hobby gerade gut. In meiner Jugend habe ich schon in einem Spielmannszug mitgemacht“, begründet sie ihren Spatzen- Einstieg. Anja ist von ihr begeistert: „Sie ist ein Naturtalent, kann sofort alles spielen, hört gut“. Zu den Neuen gehört auch Elisa Lehmann. Die Schülerin hat durch ihre Freundin Anna vom Spielmannszug gehört und sich vom Spaßfaktor anstecken lassen. Nach der ersten Probe Seite an Seite mit der Kumpeline kann sich das fröhliche Mädchen nicht mehr von ihrer Flöte trennen, obwohl sie vorher nie ein Instrument gespielt hat.

Zu den Reanimateuren gehören auch Dagmar Vogt und ihr Mann Dirk. Sie gründete den Spielmannszug mit, genießt heute ihre Seniorenzeit. „ Die Musikspatzen sind mein Baby, da muss ich einfach ab und zu aushelfen“, erzählt die frühere Musiklehrerin.

Jeden Mittwoch Probe

Jeden Mittwoch kommen die Aktiven und dazu jetzt sogar zehn neue Nachwuchstalente im Alter von 7 bis 10 Jahren wieder regelmäßig zur Probe in der Cottbuser Blechenschule zusammen. Da sind auch Quanders dabei. Mutti Anja ist mit ihrem kleinen Sohn Jurij seit Ende letzten Jahres mit von der Partie. Im Spielmannszug sind sie wieder 21 auftrittsfähige Mitglieder. Mittlerweile gehören etwa 20 Stücke zum Repertoire. Darunter natürlich „Preußens Gloria“, das ABBA- Medley, das Steigerlied oder ein Roland-Kaiser-Mix. „Das war anfangs für uns nicht so leicht, denn beim Proben wussten wir nicht, wo wir ansetzen können, jeder kam mit anderen Voraussetzungen. Aber wir haben es hinbekommen. Unser Musikcamp im Don Bosco-Haus in Neuhausen im Oktober hat dazu wesentlich beigetragen“, sagt Anja, die neue Vereinspräsidentin.

Auftritte geplant

In den nächsten Wochen freuen sich die Spielleute auf ihre Auftritte auf dem Weihnachtsmarkt in Vetschau, und auf dem Cottbuser Klosterplatz. Erfahrungen haben sie dieses Jahr schon beim „Liebe kennt keine Liga-Konzert“ im Cottbuser Stadion und beim Weltkindertag im Cottbuser Stadtzentrum gesammelt. Die neuen Musikspatzen, die von sich sagen, wir sind vom Spatz zum Phönix aufgestiegen, sind super motiviert. Sie hoffen, dass sie irgendwann auch wieder das Geld haben, um sich eine neue Uniform zu kaufen. Die alten Blauen passen nicht mehr und nur mit T-Shirt ist jetzt zu kalt.